2. Schrift (Teil 3)

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Die Zerlegung von ideographischen Zeichen in Schriftzeichen wie Buchstaben beruht auf einer operativen Analyse der Produkte des Schreibhandwerkes. Diese Analyse ist historisch typisch für den Übergang vom Handwerk zur Manufaktur, aber logisch eine Konsequenz der Mechanisierung. Die Buchstabenschrift ist historisch viel älter als die Mechanisierung des Schreibens, weil sich die hisorisch erzählte Geschichte ganz selten an die Logik einer nachträglichen Beobachtung hält. Und selbst zweihundert Jahre nach der Erfindung der Schreibmaschine werden immer noch viele ideographische Schriften wie die chinesische – gegen jede maschinelle Rationalität – von ganz vielen Menschen verwendet.

Dazu, warum sich ideographische Schriften erhalten haben, kenne ich viele „philosophische“ Argumentationen, in welchen von Nationalität und Kultur gesprochen wird. Ich beobachte dagegen das toolmaking animal, das sich erst im 15. Jahrhundert zu einer Mechanisierung der Produktion durchringen konnte, obwohl die „alten“ Griechen, die gemäss allerlei Geschichten, ein erhebliches mechanisches Wissen hatten und allerlei Maschinen konstruierten. Sie haben nicht nur das Schreiben nicht mechanisiert. Dazu lese ich, dass die „alten“ Griechen keine Notwendigkeit zur Mechanisierung der Arbeit gesehen hätten, weil sie Sklaven hielten. Diese Argumentation übersieht, dass Maschinen viel effizienter als alle Sklaven sind. Ich habe keine Ahnung, weshalb die so klugen Griechen und die Römer die Arbeit nicht mechanisierten und trotzdem eine Buchstabenschrift gefunden haben. Aber dass sie auf eine Mechanisierung der Arbeit verzichteten, zeigt dass das toolmaking animal Werkzeuge und Buchstabenschriften verwenden kann, aber keinesfalls muss.

Eine auch “philosophische” Deutung des Phänomens der ideographischen Schrift besteht darin, den Menschen Gewohnheit und Trägheit zuzuschreiben und dann von Revolutionen zu sprechen, wenn Gewohnheiten aufgegeben werden. Wenn die Chinesen – was sie schon 1957 beschlossen haben – eines Tages zur Buchstabenschrift wechseln, wird das eine Revolution darstellen, wie der sogenannte Buchdruck oder die sogenannte Digitalisierung als Revolutionen aufgefasst werden. Neuerdings hat sich ein anderer Ausdruck eingebürgert, der die Sache etwas nüchterner bezeichnet. Als “disruptive Technik” bezeichne ich eine Innovation, die eine bestehende Technik verdrängt, obwohl sie anfangs gegenüber den etablierten Produkten, durch spezifische Nachteile oder höheren Preis, unterlegen ist. Dampfmaschinen sind in einer Sklavenhaltergesellschaft disruptiv, aber historisch haben die sogenannte Südstaatler der USA Sklaven gehalten, lange nachdem die Dampfmaschinen ihren Siegeszug angetreten hatte (1).

Im Übergangsfeld zwischen Bilder- und Alphabetschrift beobachte ich auch eine Differenz, die zunächst eher für Zeichnungen als für Zeichen spricht. Die Zeichnung ist dem gezeichneten Gegenstand in dem Sinne analog, als eine ausreichende Ähnlichkeit der Form besteht, damit ich förmlich erkennen kann, was gezeichnet wurde. Ich kann aber auf gar keine Weise erkennen, was mit einem Wort wie der Buchstabenkette “Tisch” gemeint sein könnte. Wenn ich schreibe statt zeichne, brauche ich eine Vereinbarung der Zeichen, weil sie keinerlei Analogie zu irgend einem gemeinten Referenzobjekt haben.

Als Referenzobjekt bezeichne ich das, woran mich die jeweilige Zeichnung oder das jeweilige Zeichen erinnern soll. Ich unterscheide eine analoge und eine digitale Referenzierungsart. Die analoge Referenzierung ist nicht frei vonabbildungsarten impliziten Vereinbarungen. Ich muss ein Gestalt-Gefühl für den gezeichneten Gegenstand haben. Ich muss beispielsweise die Perspektive des typischen seitlichen Aufrisses erkennen und dabei der Implikation folgen, dass ich Gegenstände generell so zeichne. Bei Zeichen wie „Tisch“ unterstelle ich die primitivste Form der Vereinbarung, die – ungeachtet, dass sie kaum je so verwendet wird – darin besteht, dass ich gleichzeitig auf einen Tisch und auf das Zeichen „Tisch“ zeige, wozu ich ja auch zwei Zeigefinger habe. Da der Zeigefinger „digit“ heisst, bezeichne ich so begründete Referenzierung als digital.

Auf eine mir ganz unerklärliche Weise wird in der Umgangssprache das Wort “digital” für einen ganz andere – mir aber auch ganz unklare – Sache verwendet. Oft wird das Wort dort verwendet, wo ich allenfalls von elektronisch gespeichert sprechen würde. Die sogenannte Digitalisierung soll dann wohl die Verbreitung des Computers bedeuten, während ich den Ausdruck sinngemäss für die Einführung der Schriftzeichen verwenden würde. Im umgangssprachlichen Ausdruck “Digitalisierung” erkenne ich einen Ausdruck davon, dass das Schreiben als Handwerk und dessen Werkzeuge tabuisiert und verdrängt wurden. Auf der Rückseite dieser Verdrängung steht die umfassendere Verdrängung einer Vereinbarungshoheit, in welcher Privatgesellschaften wie die Duden AG die Gesellschaft insgesamt vertreten und bestimmen, welche Zeichen was bedeuten sollen. Die Schule erlebte ich als Durchsetzungsinstitution, die mit Macht zur Bestrafung überprüfte, ob ich mich an Dudens Vorstellungen halte.

Noch kränkender als S. Freuds Unbewusstes im Darwinschen Tier ist für mich die Vorstellung, dass meine Sprache gar nicht meine Sprache sei, sondern die Sprache einer Gesellschaft, die sich in päpstlich-monarchisch aufführenden Aktiengesellschaften mit einer als Bildung bezeichneten, machtausübenden Verwaltung zeigt.


1) Ich betrachte die Sklaven der Südstaatler als eigentliche Sklaven, während die griechischen Sklaven für mich eher einer naiven Projektion entsprechen – denn die Griechen wussten nicht, was sie tun, sonst hätten sie Maschinen gebaut. (zurück)

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last update 18. 3.2015 /

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29 Antworten zu “2. Schrift (Teil 3)

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  2. zur frage, warum die „alten“ griechen keine maschinen erfanden? mir leuchtet die traditionelle erklärung mit den sklaven schon ein. maschinen werden nicht von heute auf morgen erfunden, das ist ein langer entwicklungsprozess (siehe z.b. dampfmaschine). es fehlte ganz einfach der anreiz.
    siehe auch den berühmten (von marx zitierten) satz bei aristoteles: „Wenn nämlich jedes einzelne Werkzeug auf einen Befehl hin, oder einen solchen schon voraus ahnend, seine Aufgabe erfüllen könnte, wie man das von den Standbildern des Daidalos oder den Dreifüßen des Hephaistos erzählt, von denen der Dichter sagt, sie seien von selbst zur Versammlung der Götter erschienen, wenn also auch das Weberschiffchen so webte und das Plektron die Kithara schlüge, denn bedürften weder die Baumeister der Gehilfen, noch die Herren der Sklaven.“ (Politeia 1253 b 33 – 1254 a 1)

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    • ja, das ist die klassische Variante. Mir zeigt sich darin das Bewusstsein von Sklavenhaltern, die so begründen dass Sklaven leidern notwendig, WEIL Werkzeuge leider Gottes die Arbeit nicht von selbst verrichten.
      Dass daraus folgen soll, dass Maschinen nicht viel effizienter als Sklaven sind, verstehe ich nicht. (Und ich habe keine Ahnung, ob es die alten Griechen je gegeben hat, in den Büchern, die Heron von Alexadria zugeschrieben werden (wer immer das gewesen sein soll), sind viele Maschinen von moderner Art beschrieben.

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  3. im wort „digital“ steckt der „finger“, aber auch das wort „zählen“. ich denke, digital meint ein rechnen mit dingen (z.b. mit den fingern), ein willkürliches unterbrechen eines lebendigen kontinuums — im unterschied zu analog: ein rechnen mit ähnlichkeiten und möglichkeiten, ein mimetisches sich-anschmiegen / anähnlen an lebendige kontinua.

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  4. ja, ich kenne diese Etymologie zum Rechnen mit Fingern, ich kann sie nur nicht nachvollziehen. Ihre Formulierung finde ich dazu sehr interessant: Rechnen mit Dingen! Diese Dinger bezeichne ich als Zeichen – und Finger wären dann ein seeehhhr untypisches Beispiel, das ausgerchnet namensgebend sein soll.
    Mir ist klar, wie das Wort umgangssprachlich verwendet wird. Und wenn ich das irgendwie plausibilisieren wollte, käme ich vielleicht auch auf Rechnen mit Fingern. Bevor aber der Computer in die Alltagssprache rückte, wurde in der Fachliteratur noch sehr genau unterschieden zwischen den Unterscheidungen diskret/kontinuierlich und digital/analog
    http://kybernetiks.wordpress.com/2012/03/19/analog-digital/

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  5. „Ich unterscheide eine analoge und eine digitale Referenzierungsart.“
    wenn ich die zweite einmal mit „zeigende“ übernehme, drängt sich mir jedoch für beide ein gemeinsames „problem“ auf: die darstellung von nicht gegenständlichem, abstraktem, etwa der begriff „Hoffnung“. aber diese ebene gehört wie ich vermute, nicht zu dem, was du hier beobachtest.

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    • Doch sehr genau beobachte ich „Abstraktes“, was ich anhand von Freiheit und Freiheitdressur anmerken wollte. Zeichnen kann ich nichts Abstraktes, das Abstrakte ist nur durch Zeichen referenzierbar. Das Abstrakte ist deshalb ja auch Gegenstand jeder analytische Philosophie … Und in meiner Geschichte erscheint das Abstrakte als Sinn-los, dem ein Sinn gegeben werden muss.
      Zunächst aber erscheint es überhaupt erst durch die Differenz von Zeichnung und Zeichnen

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  6. –>umgangssprachlicher gebrauch von „Digitalisierung“

    ich möchte nicht weiter darauf eingehen, dass zb. für mich mit diesem begriff im o.g. gebrauch viel mehr verbunden ist als nur die elektronische speicherung von daten oder die verbreitung von personal computern.
    sondern versuchen, dem, was du da schreibst nach zu spüren. also die einführung der (nicht bildhaften ?) schriftzeichen „verdiente“ deiner meinung nach die verwendung des begriffes „Digitalisierung“, weil sie eine zeigende, hin-zeigende funktion inne haben ?
    in dem alltagssprachlichen gebrauch von „Digitalisierung“ siehst du eine tabuisierung des Handwerks, also einer produktionsweise, in der absicht, planung, herstellung eines produktes aus einem guss, in einer hand, sind ?
    dieser sprung ist mir zu gross, insbesondere kann ich den begriff der tabuisierung dort nicht unterbringen.
    dann schreibst du von einer verdrängung der Vereinbarungshohheit.
    diese verdrängung hat es, wie mir vage schwant, doch schon lange vor der „Digitalisierung“ und dem erwähnten sprachgebrauch gegeben ?

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    • ja … es ist schwierig für mich, funktionierende Formulierungen zu finden. Und ich sehe auch, dass und wo meine Formulierungen ihr Gegenteil auch zuzulassen scheinen-
      Ich schreibe, dass die Vereinbarung durch Zeigen gedacht wird, und Du liest, dass die Zeichen eine zeigende Funktion haben – was ich als etwas total anderes verstehe.
      In meinem Beispiel zeige ICH auf das Wort Tisch und auf einen Tisch, das heisst ich vereinbare durch Zeigen. Der Ausdruck Tisch wird dabei aber nicht zu etwas hin-zeigendem, im Gegenteil, er zeigt eben gerade nicht, wofür der steht.
      Und ja – die Verdrängung des Handwerkes führt zu einer ganz anderen Sichtweise des Schreibens. Was ich hier über das Schreiben schreibe, kann ich nur sehen, weil ich das Handwerk beobachte. Ich muss sehen, was ich handwerklich mache, wenn ich einen Tisch zeichne. Nur dann kann ich sehen, was ich mache, wenn ich das Zeichen Tisch verwende.
      Die Vereinbarungshoheit, die ich meine, ist an die Zeichen gebunden. Zeichnungen müssen und können nicht vereinbart werden.

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      • „Der Ausdruck Tisch wird dabei aber nicht zu etwas hin-zeigendem, im Gegenteil, er zeigt eben gerade nicht, wofür der steht.“
        ja klar, das hatte ich verstanden.
        ich wollte den unterschied zum zeichnen charakterisieren mit meiner formulierung.
        der ausdruck Tisch lässt von sich aus nicht erkennen, was er meint, er „zeigt auf e t w a s hin“, nämlich das objekt des tisches. was er nicht zeigt ist, von wem, wann und wie diese verknüpfung einst stattgefunden hat.

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        • ja so sehe ich das auch UND GENAU das bezeichne ich mit digital. Und mich würde sehr interessieren, wofür Du das Wort Digitalisierung verwendest, da Du damit nicht nur „elektronsch gespeichert“ meinst.

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  7. „Und ja – die Verdrängung des Handwerkes führt zu einer ganz anderen Sichtweise des Schreibens. Was ich hier über das Schreiben schreibe, kann ich nur sehen, weil ich das Handwerk beobachte. “
    auch das kann ich gut nach vollziehen, daran liegt es nicht.

    es ist die „Tabuisierung“ in verbindung mit der umgangssprachlichen v e r w e n d u n g von „Digitalisierung/digital“, die ich nicht klein kriege.
    ich hatte mich absichtlich nicht auf den auch von dir verwendeten begriff der verdrängung bezogen, denn diese kann ich sowohl als eine eher konkrete „wegdrängung“
    als auch als eine „bewegung“ von bewusstseinsnäherem zu bewusstseinsfernerem verstehen (oder beidem 😉 )

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    • ja, der Ausdruck „Verdrängung“ ist überladen, aber ich interpretiere ihn gerne so wie Du mit Deinen beiden Varianten zusammen.
      In einer mehr verdinglichten Form verwende ich ihn dann für das Nichtvorhandensein von etwas Offensichtlichem im öffentlichen Diskurs – hier das Handwerkliche in der Menge der Texte, die sich mit Text befassen.
      Anfänglich war das Handwerk wenigstens noch ein bisschen berührt durch die Handschrift (vor allem im Lehrplan der Volksschule (wo sie nun gestrichen werden soll!!)). Mit Digitalisierung einher geht eine vollständige „Ent-Materialisierung“, die nur möglich ist, wenn das Handwerk aud der Perspektive verschwindet oder eben verdrängt wird.
      Und das meine ich in Anlehnung an M. Foucault nicht so, dass zuerst das Handwerk verdrängt wurde und dass man danach auf diesen Digitalisierungs-Unsinn gekommen wäre, sondern umgekehrt, dass der allgemeine Diskurs über Digitalisierung – wie jener über Sexualität – die eigentliche Verdrängung IST.

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      • „Und das meine ich in Anlehnung an M. Foucault nicht so, dass zuerst das Handwerk verdrängt wurde und dass man danach auf diesen Digitalisierungs-Unsinn gekommen wäre, sondern umgekehrt, dass der allgemeine Diskurs über Digitalisierung – wie jener über Srexualität – die eigentliche Verdrängung IST.“

        die sexualität klammere ich hier mal aus, das wird mir wirklich zu komplex 😉
        also zum diskurs über Digitalisierung. das was du schreibst kommt bei mir so an: in diesem diskurs wird lediglich auf das bezug genommen, was i s t. allein dadurch bezieht es seine legitimation und es wird nicht mehr hinterfragt, ob es auch andere varianten geben könnte, es geht nur noch um 1a,1b,1c etc.
        ???

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        • Ich lese bei Foucault nichts über Sexualität, aber viel über das Reden über Sexualität. Und analog lese ich viel Gerede über Digitalisierung ohne das auch nur annäherungsweise gesagt, wird, wovon dabei die Rede ist. Als Diskurs bezeichne ich es als ein Reden, damit nicht über etwas anderes gesprochen werden muss – eben beispielsweise über das Handwerk ..

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          • „Als Diskurs bezeichne ich es als ein Reden, damit nicht über etwas anderes gesprochen werden muss – eben beispielsweise über das Handwerk ..“

            wuhh, das ist eine ziemlich negative auslegung von „Diskurs“

            aber nehmen wir einmal an, in der öffentlichen diskussion über „Digitalisierung“ (diskussion kann ich persönlich leichter positiv UND negativ denken)
            wäre so ein „verdrängungsmechanismus“ zu beobachten
            dann
            müssten wir ja ein unbehagen oder sogar einen konflikt annehmen, o.k.
            um welchen genau es sich dabei handelt, wäre dann für mich erst einmal total offen

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            • „negativ“ ist halt eine Perspektive. Ich schreibe, was ich beim Lesen von Foucaults Text als Diskurs verstanden habe. Diskussion ist etwas ganz anderes.
              ja, Diskurs ist Unbehagen, das nicht zur Sprache kommt. In diesem Sinne ist auch offen, worin es besteht, resp was verdrängt wird. Es ist meine Interpretation, dass die betriebliche Arbeitsteilung verdrängt wird, während S. Freud meinte, dass Trieb (und Triebtäterei) verdrängt werde.

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          • #19. März 2015 um 23:15

            das sind klärende worte !

            und die bezügl. „Diskurs“ gehörten für mich in die imaginäre spalte 2.
            das ist mir übrigens bei Wikipedia positiv aufgefallen: dort wird üblicherweise auch auf die umgangssprachlichen verwendungen eines begriffes eingegangen…-

            -„Es ist meine Interpretation, dass die betriebliche Arbeitsteilung verdrängt wird,[..]
            das ist eine meine lieblingsinterpretationen, allerdings unvollständig und an der stelle, wo du sie einführtest hier, für mich noch verfrüht, sprunghaft. ich versuchte also „naiv“ zu lesen und dabei fehlten mir verbindungsteile.

            – ….“während S. Freud meinte, dass Trieb (und Triebtäterei) verdrängt werde.“
            als t e i l einer umfassenderen analyse war das doch nicht schlecht, immerhin kam der „trieb“ (bei mir lieber „vitalität“ = viel umfassender, weniger mechanistisch) überhaupt einmal zu sprache. daran schloss sich eine lange geschichte der psychoanalyse an. wo sie g a n z genau heute steht (abseits ihrer institutionalisierten etablierung) würde mich interessieren. aber auf jeden fall kamen in ihr viele weitere dimensionen zur sprache.

            psychodynamik und arbeitsteilung überhaupt in verbindung zu setzen war mir bereits beim schreiben meiner diplombarbeit 1977 ein anliegen, u.a. verwendete ich http://sowiport.gesis.org/search/id/iab-litdok-I751021F55# ….

            so wie du dies hier machst, lese ich es als eine art schüttelkasten, also bewusst eingebrachte irritation/provokation.

            auf die bin ich als leserin nicht vorbereitet, weil die vorangegangenen passagen sehr akribisch abgeleitet sind.

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  8. –>Digitalisierung
    hm, zunächst wirkte es auf mich so, als würdest du den umgangssprachlichen gebrauch von D. kritisieren, in dem für dich eben ganz anderes steckt.
    nach deiner bemerkung vom Digitalisierungs-Unsinn bin ich jetzt unsicher.-

    ob nun mit einem falschen etikett versehen oder nicht denke ich bei D. natürlich auch zuerst an elektronische speicherung und dann kommt sofort internet, vernetzung, partizipation, einblicke, zugänge, raumüberwindung, zeitunabhängigkeit, erweiterte kooperation, interaktivität, simulation, dynamische visualisierungsmöglichkeiten …..

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  9. Pingback: 2. Schrift (Teil 4) | Schrift-Sprache

  10. ich formuliere hier teilweise etwas blöd, vielleicht bin ich nachts auch schon etwas müde 😉 Ich meinte nicht Unsinn, sondern Un-Sinn, im Sinne von „anderem Wortsinn, was Du jetzt als „möglicherweise falsches“ Etikett bezeichnet hast.
    Etiketten und Wörter überhaupt sind natürlich nicht falsch sondern im Belieben des Sprechers. Ich kann niemandem sagen, wie MAN „Digitalisierung“ verwendet, ich kann nur merken, wenn ich das Wort ganz anders verwende und das ich das reflektiert habe. Und ich kann dann erkennen, dass das Wort oftmals als Platzhalter dient. In Deiner Aufzählung sozusagen für total alles, was ich mir zu „social media“ überhaupt denken könnte.
    Also, das ist nicht falsch, sondern vielmehr commonsense. Nur ich verstehs nicht, das macht aber auch nichts.
    Und ich verwende das Wort quasi altmodisch und für einen klaren Begriff, der mit elektronisch, Computer und Internet nichts zu tun hat.

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    • einige meiner begriffe sind eindeutig social, andere haben das potential, aber z.b. simulationen garnicht.
      Digitalisierung umfasst aber für mich noch weit mehr, das mir aber etwas schwerer fällt darzustellen, ist nicht so erlebnisnah und ich habe dazu kaum was gelesen.

      was ich nicht verstehe ist, dass du schreibst, dass du nicht verstehst. du registrierst, dass andere begriffe, hier D., anders verwenden und das ist dir zur guten gewohnheit geworden. aber was gibt es da noch weiter zu verstehen ?? oder meinst du damit eine art empörung, wie sich dieser begriff in dieser weise durchgesetzt hat ?

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  11. mit Verstehen von Begriffen meine ich das, was im englischen Ausdruck für Begriff „concept“ steckt. Mir fehlt ein mögliches Konzept oder ein Frame, in welchem ich mich orientieren könnte. Ich empöre mich nicht, ich verstehe nicht. Es ist nicht so, dass sich ein Begriff durchsetzen kann, weil jeder für sich begreifen muss. Aber es gibt Redeweisen, die wie Schlager in der Hitparade stehen, ohne dass damit (für mich) etwas Begreifbares verbunden wäre.
    Bei Digitalisierung fällt mir das speziell auf, weil ich digital als wesentlichen Begriff verwende, von dem ich recht genau ausdrücken kann, was ich damit referenziere.

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    • jetzt versteh ich’s 🙂
      der begriff Digitalisierung war für dich bereits besetzt und zwar nicht irgendwie, sondern sinnvoll und zur neuen anwendung kannst du von dort aus keine gemeinsamkeit sehen.
      obwohl ich eine neigung dazu habe, begriffe zu hinterfragen, hatte ich diesen einfach unhinterfragt übernommen.
      ich weiss nicht ob das jetzt wirklich passt, aber mir fällt gerade meine grossnichte ein, die kürzlich 1 jahr alt wurde, es nicht hinbekommt wie andere in ihrem alter zu krabbeln, aber „telefonieren mit handy“ spielt 😉

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  12. Die Kommentare werden unübersichtlich. Ich habe aber alle Kommentare gelesen. Auf Deine Anmerkungen zu Freud und der Vitalität habe ich keine Antwort und Deine Diplomarbeit hast Du nicht verlinkt. Die angegebene Literatur führt mich an diesem Punkt nicht weiter (sondern noch weiter weg 😉

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