Mein Theorie-Projekt: Vorwort

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In meinem Geld-Buch habe ich ein paar Bemerkungen Geld_Cover_200zur meiner Theorie gemacht. Nachträglich ist mir bewusst geworden, dass ich meine Theorie bisher nicht systematisch beobachtet habe. Das werde ich nun in einem Projekt nachholen.

Ich bezeichne meine – hier noch weitgehend implizite – Theorie als materialistisch und als kybernetisch. Das sind aber Labels, die nicht viel mehr erhellen als sie verstecken, weil ich auch mit diesen Wörtern sehr eigene Vorstellungen verbinde. Gleichwoh zeigen mir diese Bezeichnungen ein benennbares kategorielles Vorverständnis, das meiner Sicht auf den von mir gewählten Gegenstand Theorie zugrunde liegt. Ich sehe mich als Subjekt meiner Theorie, gleichgültig wie bewusst sie mir ist.

Die Ausdrücke Materialismus und Kybernetik beziehe ich nicht nur auf meine Theorie, sondern auch als Bezeichnungen für die Literatur, die für mich relevant geblieben ist. Ich habe nur sehr diffuse Ahnungen, warum ich gerade die Bücher gelesen habe, die ich gelesen habe, und ich finde kaum Menschen, die dieselben Bücher gelesen haben. Und selbst wenn jemand das gleiche Buch wie ich gelesen hat, hat er doch normalerweise ein ganz anderes Buch gelesen. Was ich wie gelesen habe, war immer auch von meiner Theorie abhängig, die aber gerade dadurch erst entstanden ist. Diese Wechselseitigkeit werde ich meinem Projekt zugrunde legen, nicht in Bezug auf das Lesen, sondern in Bezug auf das Schreiben. Eine wesentliche Kategorie in meinem Materialismus erkenne ich – hier vorab – darin, dass ich gegenständliche Tätigkeiten beobachte. Was ich gelesen habe, ist weg, was ich schreibe, bleibt ein Zeitlang da. Ich schreibe meine Theorie und werde dabei insbesondere mein Schreiben über das Schreiben beobachten.

Meine Theorie ist ein – jetzt noch nicht geschriebener – Text darüber, wie ich mein Beobachten beobachte. Der Text ist mithin auch ein Text darüber, was ich Text und als Beobachten bezeichne. Den Ausdruck Theorie verwende ich dabei in Anlehnung an eine Konvention, in welcher das griechische ‚theorein“ für „sich selbst beobachten“ steht. Ich werde aber nicht mich selbst, sondern mein Beobachten beobachten. Theorie begreife ich als eine explizite Widerspiegelung der Kategorien, die ich beim Beobachten verwende. Als eigentliches Beobachten bezeichne ich eine textherstellende, gegenständliche Tätigkeit, in welcher ich Unterscheidungen bezeichne, die ich im Hinblick auf Kategorien beobachten kann.

Ich begreife mein Vorhaben, meine Theorie gegenständlich herzustellen, als Projekt. Was ich dabei materiell herstelle, ist ein Text. Als Theorie bezeichne ich den Text selbst, also nicht etwas, was im Text beschrieben ist, das es jenseits des Textes – etwa in meinem Kopf – nochmals geben müsste. Es ist Teil meines Theoriebegriffes, dass in einer Theorie nicht der beobachtete Gegenstand, sondern das Beobachten beobachtet wird. In einer Theorie schreibe ich nicht, wie die Welt ist, sondern wie ich sie beobachte. Im umgangssprachlichen Sin von Theorie ist diese Unterscheidung aufgehoben. Die umgangssprachlich gemeinten „Theorien“ von Einstein oder Darwin beschreiben – auch im Selbstverständnis dieser Autoren – die Realität.

Es ist überdies Teil meiner Theorie, dass ich die Verwendung von Wörtern nicht in irgendeinem umgangssprachlichen Sinn voraussetzen kann, sondern vereinbaren muss, weil niemand weiss, wie ein bestimmtes Wort richtig verwendet wird. Wenn ich von umgangssprachlicher Wortverwendung spreche, bezeichne ich eine Art diffusen Commonsense, um darauf aufmerksam zu machen, dass ich meine eigene Wortverwendung explizit erläutere, wie ich es hier für Theorie bereits angefangen habe. In gewisser Weise reflektiere ich meine Theorie durch die Explikation perspektivischer Wortbedeutungen.

Fortsetzung


last update: 24. 7.2017

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Eine Antwort zu “Mein Theorie-Projekt: Vorwort

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