Material und Form

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Bei hergestellten Gegenständen unterscheide ich die komplementären Aspekte Gegenstandsbedeutung und Artefakt, ich beobachte also einerseits die Bedeutung des Gegenstandes und andrerseits dass er ein Faktum ist, das ich im Prinzip in die Hände nehmen kann. Im Herstellen sind die beiden Aspekte wie die Pole eines Magneten untrennbar vereint. Als Artefakt bezeichne ich das, was ich eigentlich herstelle, während die Bedeutung des Gegenstandes quasi als autopoietische Emergenz aus dem Herstellen hervorgeht, obwohl sie natürlich das ist, was ich beim Herstellen als Zweck des Gegenstandes beabsichtige.

Beim Herstellen eines Artefaktes forme ich Material. Ich muss dabei das Material messer_bq.pngund die Form wählen. Wenn ich beispielsweise ein Messer oder ein Schwert herstelle, muss ich einem Material die Form eines Messers geben. Beim Herstellen muss ich formen und ich kann nicht nichts formen. Durch Material und Form ist auch das Artefakt jenseits seiner Bedeutung doppelt bestimmt. Material und Form kann ich unterscheiden aber nicht trennen. Ich kann aber beobachtend vom Material abstrahieren und nur das Formen beobachten und umgekehrt. Viele Eigenschaften eines Gegenstandes sind hauptsächlich von dessen Form abhängig, andere von dessen Material.

Material und Form verwende ich als operationelle Hypostasierungen meiner Tätigkeit. Kategoriell setze ich Material und Form nicht im Sinne von ontologischer Substanz und Idee voraus, sondern bezeichne damit Aspekte meines Tuns. Die Begreiffe Material und Form verwende ich um mein Herstellen zu beschreiben. Es sind in diesem Sinne komplementäre Bestimmungen des Produzierens, die ich als Eigenschaften des artefaktischen Produktes erkennen kann, weil die Produktion im Produkt gerinnt oder aufgehoben ist.[1]

Ich erläutere meine Begriffe Material und Form etwas ausführlicher, weil sie umgangssprachlich selten als Verdinglichungen von Tätigkeitsaspekten aufgefasst werden. Material wird umgangssprachlich oft mit Materie gleichgesetzt, während Form sehr viele Verwendungen hat, die sich nicht auf gefomtes Material beziehen. Mir geht es bei den folgenden Erläuterungen der verschiedenen Wortverwendungen darum, die Begriffe auf Kategorien zu beziehen, um die Bedeutung der Kategorien und mithin der Theorie hervorzuheben.

weiter zu: Material versus Materie


[1] „Der Mensch kann in seiner Produktion nur verfahren, wie die Natur selbst, d. h. nur die Formen der Stoffe ändern. Noch mehr. In dieser Arbeit der Formung selbst wird er beständig unterstützt von Naturkräften. Arbeit ist also nicht die einzige Quelle der von ihr produzierten Gebrauchswerte, des stofflichen Reichtums. Die Arbeit ist sein Vater … und die Erde seine Mutter.“ (K. Marx, Das Kapital, MEW 23, 57f.)


last update: 9.10.2017

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2 Antworten zu “Material und Form

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