Archiv der Kategorie: Allgemein

gegenständliche Form

[ <– Material versus MaterieInhaltsverzeichnis ]

Als Form bezeichne ich im Kontext der Herstellung von Artefakten in einem operativen Sinn genau das, was ich zeichnen kann. Jede Zeichnung repräsentiert eine perspektivische Form des gezeichneten Gegenstandes. Dreirissige Konstruktionszeichnungen sind in diesem Sinne idealtypische Zeichnungen der Form, während einfache Zeichnungen als analoge Abbildungen konventionell den Aufriss des Gegenstandes darstellen. Ein Kuchen etwa hat die Form der kuchenform1Kuchen besteht aus Kuchenteig. Das Kuchenblech besteht aus Metall. In der Zeichnung sehen beide gleich aus, weil ich beim Zeichnen vom Material abstrahiere.

Kuchenform. Die Kuchenform ist ein geformtes Blech. Der Form ist in diesem Sinne eine sinnliche Kategorie, die durch die Zeichnung formcharakterisiert ist. Die Zeichnung ist natürlich auch ein hergestellter Gegenstand mit einer Form. Wenn ich mit einem Bleistift zeichne, stelle ich einen dreidimensionalen Gegenstand aus Graphit her, der in einer bestimmten Weise dieselbe Form hat, wie der gezeichnete Gegenstand. Diese Gleichheit der Form besteht darin, dass ich – in einem operativen Sinn – mit meinen Augen dieselben Bewegungen, wenn ich den Umriss des Gegenstandes und dessen Zeichnung betrachte. Beim Lesen eines Stadtplans etwa mache ich mit den Augen die Bewegungen, die ich dann mit meinem Körper mache, wenn ich durch die Stadt gehe.[1] Und wenn ich zeichne, bewege ich den Schreibstift analog zu meinen der Form des Gegenstandes folgenden Augen.

Wenn ich einen Gegenstand herstellen will, mache ich zuerst eine Zeichnung vom intendierten Gegenstand und forme dann den Gegenstand so, dass er der Form der Zeichnung entspricht. Arbeitsteilig kann das Zeichnen und das Herstellen getrennt werden. Dabei dient die Zeichnung als Informationsträger für andere Menschen. Ich brauche aber – wie ich bereits bezüglich des Schreibens erläutert habe – keine soziale Vereinbarung und keine interpersonalen Kommunikationsabsichten, damit Zeichnen für mich einen Sinn macht. Im Unterschied zum Schreiben muss ich mir auch nicht – im Sinne einer Selbstvereinbarung – merken, wofür meine Zeichnung steht, weil ich das naturwüchsig wiedererkenne, wenn ich die Zeichnung betrachte. Zeichnungen sind analoge Abbildungen.

Die Zeichnung der Form eines Kuchens lässt offen, ob eine Kuchenform oder ein Kuchen dargestellt ist. Ein gezeichnetes Rechteck zeigt noch viel weniger als eine Kuchenform, welcher Gegenstand gemeint ist, weil sehr viele Gegenstände die Form eines Rechteckes haben. Natürlich kann ich ein Rechteck als solches erkennen, aber ich kann nicht sehen, was damit abgebildet ist, ich kann nur erkennen, dass es ein rechteckiger Gegenstand ist. Und wenn ich die Zeichnung eines seriellen Produktes, beispielsweise eines VW Käfers sehe, sehe ich nicht welcher Käfer damit abgebildet ist, weil sich diese Produkte hinreichend ähnlich sind. Von solchen speziellen Fällen abgesehen, kann ich jeden Hund zeichnen, aber nicht den Hund, den ich mit dem Wort referenziere. Die gegenständliche Form ist die Form eines konkreten materiellen Gegenstandes.

Jede Form, die ich zeichne, kann ich auf einen Vieleck-Kreis reduzieren, indem ich die Auflösung reduziere, also die Form nur grob angenähert zeichne. Jede gezeichnete Form ist ein geschlossenes Gebilde und trennt einen Inhalt von seiner Umwelt ab. Dass ich den Inhalt zeichend nicht bezeichne, also dessen Material nicht bestimme, bedeutet, dass mich das Material nicht interessiert, aber nicht dass es Gegenstände ohne Material gäbe.

Forts. folgt


[1] von Glasersfeld, Ernst: Radikaler Konstruktivismus. Ideen, Ergebnisse, Probleme. Frankfurt 1996, S. 163


last update: 3.11.2017

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Material versus Materie

[ <– Material und FormInhaltsverzeichnisgegenständliche Form –> ]

Als Material bezeichne ich das, was ich durch gegenständliche Tätigkeit forme. Material bestimme ich in diesem Sinne operativ durch meine Tätigkeit, also nicht als eine Substanz, die ich jenseits meiner Tätigkeit beobachten könnte.[1] Ich unterscheide in demselben operativen Sinn verschiedene Materialien. Das je einzelne, konkrete Material bestimme ich durch Eigenschaften, die sich als Widerstände gegen meine Tätigkeiten beim Verwenden der Materialien zeigen. Materialien wie Bronze und Silber, oder allgemeiner wie Metalle sind in diesem Sinne Verdinglichungen von Eigenschaften, die ich – quasi-ontologisch formuliert – am Material wahrnehme. „Metall“ etwa bedeutet „glänzend, stromleitend, schwer, …“, „Silber“ bedeutet „Metall, helle Farbe, nicht oxidierend, …“ Materialbezeichnungen sind in diesem Sinne Sammelbezeichnung für eine Menge von Eigenschaften. Operationell verwende ich das Wort Metall genau dann, wenn ich mich auf den Träger der metalligen Eigenschaften beziehen will. Ich sage etwa: Dieses Schwert ist aus Holz, nicht aus Metall.

Die Eigenschaften, die ich dem Material zurechne, erkenne ich, wenn ich das Material oder den hergestellten Gegenstand verwende. Ich kann ein Messer aus Lehm, Holz oder Gold formen, wozu ich je verschiedene charakteristische haerteHandlungen unterscheide. Und ich kann praktisch erfahren, welches der Messer und mithin welche meiner Handlungen den Zweck am besten erfüllt. Dabei erkenne ich Eigenschaften, auf die ich achten muss. Ich merke beispielsweise, dass eine bestimmte Materialhärte beim Herstellen grössere Aufwände verursacht, aber für die Funktion des Gegenstandes nützlich ist. Die Härte bezeichne ich dann als eine Materialeigenschaft, die mich interessiert. Härte überhaupt oder als Kategorie würde mich nicht interessieren.

Wenn ich an einer bestimmten Eigenschaft interessiert bin, kann ich Material in dieser Hinsicht wählen und verarbeiten. Wenn ich Eisen will, muss ich es in einer spezifischen Tätigkeit aus dem Boden holen und das Holz, das ich verwende, war zuvor ein Baum, den ich fällen musste. Beim Herstellen interessiert mich aber weder der Boden noch der Baum, sondern das, was ich tun muss für das Material.

Material, das aus einer Verarbeitung folgt, bezeichne ich als Werkstoff. Stahlbleche haben eine Protoform, die noch keinem Gebrauch entspricht und die ich deshalb auch als Halbfabrikat bezeichne. Diese Halbfabrikate sind nicht „konstruiert“, ich verwende sie als Werkstoff für Konstruktionen. Ich forme aber auch beim Herstellen von Werkstoffen Material. Dabei interessiert mich die äussere Form nur sekundär, etwa so, wie die Form der Kuchenform beim Herstellen des Kuchenteiges.

Wenn ich Stahl oder Kuchenteig herstelle, stelle ich in gewisser Hinsicht die mich interessierende Eigenschaft des Materials her, indem ich Material umforme. Teig stelle ich her, indem ich Mehl, was auch ein hergestelltes Material ist, mit Wasser vermenge und knete. Stahl stelle ich her, indem ich Eisen und Kohle zusammen erhitze. In beiden Fällen verändere ich die äussere Form ohne dabei an der Form interessiert zu sein. In beiden Fällen interessiert mich ein Effekt des Umformens auf Materialeigenschaften. Wenn sich diese Eigenschaften ergeben haben, wähle ich eine Protoform, die sich für eine spätere Verarbeitung eignet. Die dabei entstehenden Eigenschaften bezeichne ich mit neuen Materialnamen. Stahl steht in diesem Sinn für relativ hartes Eisen, Teig für formbare Mehlmengen.

Ich kann Material in einer bestimmten Perspektive als Materie beobachten. Materie ist eine physikalische Kategorie. In der eigentlichen Physik spielt Material keine Rolle, weil Material dort ausschliesslich als Materie beobachtet wird. In den Materialwissenschaften wird Material zwar als Werkstoff begriffen, aber als Substanz gesehen, die weitgehend mit klassischer Physik beschrieben wird. Die klassische Physik beobachtet Körper mit Massen, die moderne Physik verwendet Materie als Kategorie oder noch viel mehr als Erklärungsprinzip, weil sie die Substanz der Masse nicht mehr vernünftig lokalisieren kann.[2] Materie hat natürlich keine Form, aber alles, was eine gegenständliche Form hat, wird als Materie oder äquivalent als Energie aufgefasst.

Gleichgültig wie fadenscheinig Materie in der Physik begriffen wird, es bleibt kategoriell eine ontologisch der Tätigkeit vorausgesetzte Substanz., während Material im hier gemeinten Sinne in der Physik eine Art Epiphänomen darstellt. Die Physik sagt über gesellschaftliche Verhältnisse und wie die Menschen ihre Umwelt entwickeln nichts Falsches, sondern gar nichts. Ich erkenne darin ein bewusstes Wegsehen, das durch die Wahl spezifischer Kategorien geleistet wird.

Das, was ich als Material bezeichne, kann tautologischerweise nur in einer – zwar beliebigen – Form erscheinen, weil es ja nur in einer Umformung erscheint. Das Referenzobjekt des Ausdruckes Bronze beispielsweise kann als Barren, Klumpen, Ohrring oder Statue, aber nicht ohne Form existieren.

Ich verwende den Ausdruck Form allerdings in zwei ganz verschiedenen Zusammenhängen. Zum einen spreche ich von der Form eines Gegenstandes, wenn ich von dessen Material abstrahiere, also nur den formenden Aspekt der herstellenden Tätigkeit beobachte. Den Ausdruck Form verwende ich aber auch in einem ganz anderen – formalen – Sinn für die Abstraktion des Gegenstandes selbst. Die gegenständliche Form beruht auf der Kategorie des Herstellens, die gegenstandslose Form dagegen ist wie die physikalische Materie eine fundamentale Kategorie, die Beschreibungen der Welt an sich begründet.

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[1] Interessanterweise wird Material auch in der Wikipedia auf die Herstellung bezogen: „Material ist in der Fertigungstechnik ein Sammelbegriff für alles, was zur Produktion oder Herstellung eines bestimmten Zwischen- oder Endproduktes verwendet wird und in dieses Produkt eingeht oder verbraucht wird. Das Material umfasst gegebenenfalls Rohstoffe, Werkstoffe, Halbzeuge, Hilfsstoffe, Betriebsstoffe, Bauteile und Baugruppen.“

[2] In der Wikipedia steht: „In den Lehrbüchern der Physik wird er [der Materiebegriff] überwiegend ohne eine genauere Definition einfach vorausgesetzt.“ Mit etwas mehr Nachsicht würde man wohl sagen, dass die Physik auch eine Art operative Bestimmung verwendet, die sich als Messverfahren bezeichnen lässt.
Material hat so gesehen zwei Verallgemeinerungen: Materialien und Materie. Den Plural verwende ich, wenn ich auf die Verschiedenheit der Materialien verweisen will, von Materie spreche ich, wenn ich das – physikalisch – Gemeinsame hervorheben will.


last update: 17.10.2017

Material und Form

[ <– Zweck-Mittel-VerschiebungInhaltsverzeichnisMaterial / Materie –> ]

Bei hergestellten Gegenständen unterscheide ich die komplementären Aspekte Gegenstandsbedeutung und Artefakt, ich beobachte also einerseits die Bedeutung des Gegenstandes und andrerseits dass er ein Faktum ist, das ich im Prinzip in die Hände nehmen kann. Im Herstellen sind die beiden Aspekte wie die Pole eines Magneten untrennbar vereint. Als Artefakt bezeichne ich das, was ich eigentlich herstelle, während die Bedeutung des Gegenstandes quasi als autopoietische Emergenz aus dem Herstellen hervorgeht, obwohl sie natürlich das ist, was ich beim Herstellen als Zweck des Gegenstandes beabsichtige.

Beim Herstellen eines Artefaktes forme ich Material. Ich muss dabei das Material messer_bq.pngund die Form wählen. Wenn ich beispielsweise ein Messer oder ein Schwert herstelle, muss ich einem Material die Form eines Messers geben. Beim Herstellen muss ich formen und ich kann nicht nichts formen. Durch Material und Form ist auch das Artefakt jenseits seiner Bedeutung doppelt bestimmt. Material und Form kann ich unterscheiden aber nicht trennen. Ich kann aber beobachtend vom Material abstrahieren und nur das Formen beobachten und umgekehrt. Viele Eigenschaften eines Gegenstandes sind hauptsächlich von dessen Form abhängig, andere von dessen Material.

Material und Form verwende ich als operationelle Hypostasierungen meiner Tätigkeit. Kategoriell setze ich Material und Form nicht im Sinne von ontologischer Substanz und Idee voraus, sondern bezeichne damit Aspekte meines Tuns. Die Begreiffe Material und Form verwende ich um mein Herstellen zu beschreiben. Es sind in diesem Sinne komplementäre Bestimmungen des Produzierens, die ich als Eigenschaften des artefaktischen Produktes erkennen kann, weil die Produktion im Produkt gerinnt oder aufgehoben ist.[1]

Ich erläutere meine Begriffe Material und Form etwas ausführlicher, weil sie umgangssprachlich selten als Verdinglichungen von Tätigkeitsaspekten aufgefasst werden. Material wird umgangssprachlich oft mit Materie gleichgesetzt, während Form sehr viele Verwendungen hat, die sich nicht auf gefomtes Material beziehen. Mir geht es bei den folgenden Erläuterungen der verschiedenen Wortverwendungen darum, die Begriffe auf Kategorien zu beziehen, um die Bedeutung der Kategorien und mithin der Theorie hervorzuheben.

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[1] „Der Mensch kann in seiner Produktion nur verfahren, wie die Natur selbst, d. h. nur die Formen der Stoffe ändern. Noch mehr. In dieser Arbeit der Formung selbst wird er beständig unterstützt von Naturkräften. Arbeit ist also nicht die einzige Quelle der von ihr produzierten Gebrauchswerte, des stofflichen Reichtums. Die Arbeit ist sein Vater … und die Erde seine Mutter.“ (K. Marx, Das Kapital, MEW 23, 57f.)


last update: 9.10.2017

Zweck-Mittel-Verschiebung

[ <– Schreiben und SprechenInhaltsverzeichnisMaterial und Form –> ]

Alles, was Menschen verwenden und in irgendeiner Form der Produktion unterliegt, bezeichne ich als Lebensmittel oder als Mittel zum Leben. Sauerstoff in der Luft und Wasser aus dem Bach sind in diesem Sinne keine Lebensmittel, weil ich sie jenseits einer tätigen Vermittlung verwende. Zu Mitteln werden mir die Mittel, wenn sie in eine Zweck-Mittel-Verschiebung einbinde. Als Zweck-Mittel-Verschiebung bezeichne ich eine spezifische Entwicklung, in welcher Mittel zu neuen Zwecken werden, die ihrerseits nach Mitteln „rufen“. Die Bestellung des Ackers beispielsweise hat nach pflug1.pngdem Pflug als Mittel „gerufen“. Der Pflug wurde zum Zweck in der Schmiede. Die Schmiede verlangte nach Werkzeugen. Die Werkzeuge nach Werkzeugmaschinen. Werkzeugmaschinen verlangen Konstruktionspläne.

Die Technik entfaltet sich durch eine Zweck-Mittel-Verschiebung. Jede Entwicklungsstufe der Technik erklärt, was zuvor noch in den jeweiligen Tätigkeiten aufgehoben war. Maschinen zeigen, dass Werkzeuge von Hand bewegt werden müssen, Automaten zeigen, dass Werkzeuge und Maschinen von Hand gesteuert werden müssen. Natürlich muss ich keine Maschine kennen, um zu merken, dass ich den Hammer und die Sichel von Hand bewege. Aber die Maschine zeigt mir, dass ich meine körperliche Energie nur brauche, wenn ich keine Maschine habe.[1]

Automaten sind die aktuell entwickelsten Werkzeuge. So wie der Mensch den Schlüssel zum Verständnis der tierischen Evolution darstellt, bilden Automaten den Schlüssel zum Verständnis der Entwicklung der technischen Produktion. Sie zeigen im Nachhinein wohin sich Werkzeuge entwickeln, also welche Potentiale den Werkzeugen als Keimform innewohnen. Automaten bestimmen die Kategorien, unter welchen ich die technologische Entwicklung beobachte.

Ich verstehe diese Entwicklungsgeschichte theoretisch als Alternative zu Evolutionstheorien der Technik. In Evolutionstheorien wird eine andere Art der Differenzierung und ein anderer Prozess beschrieben. Die Zweck-Mittel-Verschiebung bringt nicht höher entwickelte Exemplare derselben Art hervor, sondern andere Arten. Die Evolution der Fauna zeigt sich in immer höherentwickelten Tieren, aber es bleiben Tiere.[2] Die Evolution der Fahrzeuge zeigt sich in immer entwickelteren Fahrzeugen, die aber eben Fahrzeuge sind. Die Zweck-Mittel-Verschiebung – die es in der Natur „natürlich“ nur in einem differentiellen Sinne gibt – bringt Vertreter anderer Kategorien hervor. Ein Pflug ist kategorial etwas anderes als eine Maschinenfabrik oder als ein Konstruktionsplan.

In der Tierwelt beispielsweise kann ich evolutionstheoretisch neue Funktionen erkennen, etwa dass bestimmte Tiere fliegen können, weil sie Flügel haben. Die Flügel der Insekten sind aber gemäss der Evolutionsgeschichte nicht zum Fliegen „erfunden“ worden, weil es in der Evolution weder einen entsprechenden Bedarf noch einen Erfinder gibt. Die Körperteile der Insekten, die ich jetzt als Flügel bezeichne, haben dazu geführt – hatten den Effekt -, dass die Insekten fliegen können. Als Effekt bezeichne ich das „Fliegenkönnen“, weil es keiner Intention entspricht und nicht Folge einer Zweckursache ist. Diese Geschichte wird gemeinhin so erzählt, dass sich anfänglich eine Körperoberflächenvergrösserung evolutionär bewährte, weil damit mehr Wärme aufgenommen werden konnte. Die Ausstülpungen bewährten sich dann als „Falschirme“ beim Springen, was eine Art Übergang zum Fliegen darstellt. Schliesslich ergaben sich eigentliche Flügel als Selektionsvorteil. So wird wird beschrieben, wie Flügel allmählich und ohne vorausgesetzten Zweck – evolutionär – entstehen konnten.

Das Fliegenkönnen mag ein Wunsch – kein Bedürfnis – von Menschen gewesen sein, als sie noch nicht „fliegen“ konnten. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass Menschen quasi evolutionsgeschichtlich darauf hofften, ihnen würden eines Tages Flügel wachsen. O. Lilienthal, einer der Erfinder des Flugzeuges, schrieb anfänglich irritiert durch die Metapher des „Fliegens“, die er mitbegründete: „Mit welcher Ruhe, mit welcher vollendeten Sicherheit, mit welchen überraschend einfachen Mitteln sehen wir den Vogel auf der Luft dahingleiten! Das sollte der Mensch mit seiner Intelligenz, mit seinen mechanischen Hilfskräften, die ihn bereits wahre Wunderwerke schaffen liessen, nicht auch fertigbringen? Und doch ist es schwierig, ausserordentlich schwierig, nur annähernd zu erreichen, was der Natur so spielend gelingt“. Die in der nicht bewussten Metapher begründete Verwechslung zwischen Fliegen und in einem Flugzeug sitzen ist offensichtlich. Flugzeuge sind kein Produkt einer Evolution und sie imitieren im Unterschied zum schliesslich abgestürzten Ikarus keineswegs Insekten oder Vögel. „Mit überraschend einfachen Mitteln auf der Luft dahingleiten“ sehe ich keine Vögel, sondern die – wenn man überhaupt Vergleiche anstellen wollte – extrem primitiven Gleiter, die O. Lilienthal konstruiert hat.

Auf die wirkliche Konstruktionstätigkeit bezogen, schrieb er aber bereits während der langjährigen Entwicklungsphase des Flugzeuges, also lange bevor die ersten Flugzeuge geflogen sind: „Ob nun dieses direkte Nachbilden des natürlichen Fluges (des Vogels) ein Weg von vielen oder der einzige ist, der zum Ziel führt, das bildet heute noch eine Streitfrage. Vielen Technikern erscheint beispielsweise die Flügelbewegung der Vögel zu schwer maschinell durchführbar, und sie wollen die im Wasser so liebgewonnene Schraube auch zur Fortbewegung in der Luft nicht missen“. Sehr tiefschürfend konnte dieser Streit nicht gewesen sein, haben sich doch bislang immer die Ingenieure durchgesetzt, die die Natur nicht imitierten, sondern wie im Falle der „liebgewonnenen Schraube“, die mittlerweile nur noch in der Luft Propeller heisst, ein Mittel gefunden haben, das dem gesetzten Zweck diente. Überdies gibt uns die Natur, wie man sich etwa anhand des Schiffes bewusst machen kann, für die meisten Produkte, die wir bauen, überhaupt keine Vorbilder. Schwimmen überhaupt war nie eine Motivation für Ingenieure, und wenn wir nur wie Vögel fliegen könnten, hätten wir mehr Spass als Transportkapazität gewonnen.[3]

Die Zweck-Mittel-Verschiebung beschreibt etwas, was Menschen tun, nicht etwas, was sie wie die Evolution nur erleiden. Durch die Zweck-Mittel-Verschiebung, das zeigt der Propeller, werden Mittel generiert, die auch auf andere Zwecke übertragen werden können, während die wunderbare „Erfindung“ der natürlichen Flügel von anderen Lebewesen nicht übernommen werden kann. Was zunächst als Mittel für einen Zweck erscheint, wird als Zweck zum Mittel für neue Zwecke. Der Teflonbelag aus der Raumfahrt wird zum Bratpfanenbelag. Die Zweck-Mittel-Verschiebung vervielfacht die Entwicklungschancen, weil jedes Mittel als neuer Zweck eine eigene Entwicklung durchlaufen kann. Ackerbau mit verschiedenen Pflügen, Pflüge mit verschiedenen Antrieben, Pflüge aus verschiedenen Herstellungsverfahren mit verschiedenen Werkzeugen aus verschiedenen Werkzeugmaschinen.

Unter dem Gesichtspunkt der herstellenden Tätigkeit beschreiben Evolutionstheorien eine Art der Herstellung ohne Hersteller. Die menschliche Intention wird in eine Götterwelt oder moderner in eine sich selbst organisierende Welt projiziert.[4] H. Maturana hat dafür den sinnigen Ausdruck Auto-Poiesis geprägt. Poiesis bedeutet in einer spezifischen Differenz zur Praxis das Herstellen, und Lebewesen erscheinen in dieser Projektion als hergestellte Dinge, die keinen Hersteller haben. H. Maturana spricht explizit von autopoietischen Maschinen und meint damit nicht wie KI-Phantasten Roboter, die sich selbst herstellen, sondern alle Lebewesen.[5]

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[1] Umgangssprachlich werden Maschinen und Kraftmaschinen, beispielsweise Motoren oft nicht unterschieden. Technologisch beruhen Maschinen aber auf Kraftmaschinen. Lange Zeit war der tierische Körper die einzige „Kraftmaschine“, die Sonnenenergie in Bewegung umwandeln konnte – bis Dampfmaschinen hergestellt wurden. Diese Energieumwandlung ist die eigentliche Revolution, die umgangssprachlich oft als industrielle bezeichnet wird.
Ich sehe hier davon ab, dass es davor bereits Anwendungen von Schiesspulver gab. Und Industrie verwende ich für die kapitalistische Produktion, nicht für die maschinelle.

[2] F. Engels spricht von einem dialektischen Grundgesetz, wonach die Quantität in Qualität umschlägt. Anschaulich meinte G. Hegel dazu, dass Eis, wenn man es erwärmt, zu Wasser und dann zu Dampf wird, was eben neue Qualitäten seien. Und analog dazu wird das Tier der Evolutionsgeschichte an einem bestimmten Punkt der Entwicklung zum Menschen. Als Quanität wurde später das Wachsen der grauen Hirnmasse nachgeliefert.

[3] Die Zitate von O. Lilienthal stammen aus Technische Intelligenz (1992), wo R. Todesco aus der Geschichte der Technik von F. Klemm (1983) zitiert.
„Der Streit dauert an. Die kanadische Firma Battelle hat nach eigenen Angaben 1992 ein Patent für einen Flügelkippmechanismus angemeldet, mit welchem ein Ornithoper genanntes Flugzeug wie ein Vogel fliegen kann (Battelle today, zit. in: Tagesanzeiger, Zürich, 24.10.92, 88). LeonardodaVinci wollte den Streit auch nicht entscheiden. Neben technisch begründeten Beispielen musste auch der Flug des Vogels als Beweis dafür herhalten, dass seine konstruktiven Überlegungen zum Fliegen richtig waren: ”Mit einem (bewegten) Gegenstand übt man auf die Luft eine ebenso grosse Kraft aus wie die Luft auf diesen. Du siehst, wie die gegen die Luft geschwungenen Flügel dem schweren Adler ermöglichen, sich in der äusserst dünnen Luft nahe an der Sphäre des feurigen Elements zu halten. Weiter siehst du, wie die bewegte Luft über dem Meere das schwer beladene Schiff dahinziehen lässt, indem sie die geschwellten Segel stösst und zurückgeworfen wird” (Leonardo, zit: Klemm, 1983,79).

[4] In seinem Roman Die Ästhetik des Widerstands beschreibt P. Weiss solche Projektionen in eine Welt, in welcher die Menschen als Erleidende, keineswegs nur Göttern ausgeliefert sind. Die Evolutionstheorie zeichnet nicht nur als Sozialdarwinismus seltsame Bilder des Menschen.

[4] H. Maturana bringt die Verdoppelung dieser Projektion schön auf den Punkt, wo er sagt, dass Chemie Kochen und Biologie Züchten sei, womit er herstellende Tätigkeiten im Sinne des Konstuktivismus ins Spiel bringt. Naturwissenschaften erscheinen dabei als ideologische Verklärung eines Engineerings, das die Welt herstellt. (Reality and Explanations, 1992)
Um Missverständnissen vorzubeugen: Mir gefällt die Vorstellung einer Autopoiesis sehr gut, hier geht es nur um die verwendete Sprache, die auf das Herstellen Bezug nimmt, obwohl das in keinster Weise gemeint sein kann.


last update: 28. 9.2017

Schreiben und Sprechen

[ <– Bedarf und BedürfnisInhaltsverzeichnis Zweck-Mittel-Verschiebung –>]

Weil ich meine Theorie anhand eines Textes über das Schreiben entwickle, zeige ich hier wie die Kategorie der gegenständliche Tätigkeit auch die naturwüchsige Vorstellung, wonach Menschen gesprochen haben, bevor sie geschrieben haben, problematisiert.

Schreiben hat als gegenständliche Tätigkeit auch einen Sinn, wenn es keine Sprache und mithin noch keine anderen Menschen als Adressaten gibt. Am Anfang der Entwicklung ist Schreiben wohl noch nicht das passende Wort, aber ich kann mir durch Striche, beispielsweise als Kerben in Erinnerung behalten, was ich damit verbinde.[1] Dazu muss ich weder eine Sprache haben noch muss jemand anderer meine Striche verstehen oder schreibeninterpretieren können. Wenn ich mit dieser Technik einmal angefangen habe, kann ich die Striche für verschiedene Erinnerungen variieren. Die Vorstellung, wonach das Schreiben mit Strichen angefangen hat, ist Commonsense. Gemeinhin wird dabei aber unterstellt, dass vor allem auch für andere geschrieben wurde und dass sich die Schreibenden sprechend über die Bedeutung ihrer Striche verständigt hätten. Ich kann keinen plausiblen Grund dafür sehen, dass sich das Sprechen vorab entwickelt hat, nur weil Kleinkinder sprechen lernen bevor sich schreiben lernen. Hier geht es aber wiederum nicht darum, was wirklich der Fall war, sondern darum, was ich durch welche Kategorien beobachte.

Das Herstellen von gegenständlichen Zeichenkörpern und deren Entwicklung zu ikonischen Hieroglyphen bedarf keiner sozialen Vereinbarung und keiner interpersonalen Kommunikationsabsichten. Es ist eine gegenständliche Tätigkeit, die anfänglich nicht einmal Werkzeug braucht, die aber als Keimform der Textherstellung fungiert, auch wenn für das eigentliche Schreiben sehr viel mehr Voraussetzungen erfüllt sein müssen.

Ich will hier nur einen Aspekt hervorheben, der eine Priorität des Schreibens nahelegt. Sprachliche Ausdrücke bestehen aus Wörtern, Wörter sind diskret. Wenn ich jemanden sprechen höre, höre ich eine kontinuierliche Tonfolge, in welcher ich die einzelnen Wörter selbst unterscheiden muss, weil sie nicht wie in einem Text durch Leerstellen getrennt sind. Wörter sind überdies digitale Symbole, das heisst, sie müssen vereinbart werden, weil man ihnen nicht wie etwa bei konventionellen Zeichnungen ansieht, wofür sie stehen. Wenn ich die Rekonstruktion der Genesis der Sprache mit hergestellten Zeichenkörpern beginne, die mir selbst dienen, beginne ich mit diskreten Gegenständen, deren Bedeutung digital ist.[2] Solchen Zeichenkörpern kann ich ohne weiteres Laute zufügen, die ihren Sinn genau dann bekommen, wenn andere Menschen erkennen, wofür meine hergestellten Zeichenkörper stehen, weil sie dann auch die Zuordnung von Lauten nachvollziehen können. Hingegen ist extrem unwahrscheinlich, dass aus Laute wie Bellen oder Grunzen sprachliche Zeichen werden sollen. Das ist wohl auch ein Grund dafür, dass Affen nicht sprechen.[3] Ob Schreiben oder Sprechen zuerst auftraten, kann ich historisch nicht belegen, weil ich davon keinerlei Zeugnis erkennen kann. Allerdings geht es hier nicht darum, zu entscheiden, was historisch der Fall war, sondern darum zu zeigen, inwiefern Kategorien für Theorien, also dafür, was ich wie sehen kann, grundlegend sind. Mit der Kategorie der gegenständlichen Tätigkeit beobachte ich nicht naiv historisch, sondern eine logisch-genetische Entwicklung der Sache.

Ich beobachte überdies, dass ich die Entwicklung des Sprechens nicht beobachten kann. Ich kann annehmen, dass irgendwann in der Vorzeit das Sprechen zu den Menschen gekommen ist. Soweit ich aber zurücksehen kann, hat es sich nicht mehr verändert, genau wie das Bewusstsein und das Denken. Ich weiss zwar viel mehr als Aristoteles, aber ich glaube nicht, dass ich besser sprechen oder denken kann als er das gekonnt hat. Was ich mehr weiss als er betrifft die technologische Entwicklung. Ich schreibe wohl in vielen Hinsichten klüger als er[4], aber ich verwende beim Schreiben andere Werkzeuge als er. Das Schreiben dagegen unterliegt einer technischen Entwicklung, die ich als Zweck-Mittel-Verschiebung weitgehend rekonstruieren kann.

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[1] Man kann sich natürlich auf sein Gedächtnis verlassen. Aber Kopfrechnen zeigt die Grenzen im Vergleich zum Schreiben. Eichhörnchen verzichten ganz darauf sich zu erinnern, wo sie ihre Nüsse versteckt haben. Wenn sie diese Nüsse brauchen, schauen sie einfach dort, wo sie aktuell Nüsse verstecken würden.

[2] D. Zimmer schreibt: „Es entstanden ungezählte, teils gelind absurde Theorien, später meist auf farbige Spitznamen getauft. Die Wauwau-Theorie: Ihr zufolge ahmte die menschliche Sprache in ihrem Ursprung natürliche Laute nach, zum Beispiel Hundebellen. Die Aua-Theorie: Sprache wäre aus stark gefühlsbetonten Ausrufen hervorgegangen. Die Hauruck-Theorie: Am Anfang der Sprache stünden die Ausrufe bei gemeinsamer anstrengender körperlicher Arbeit. Die Bimbam-Theorie: So wie jedes Ding eine natürliche Resonanz habe, so bringe auch jeder Eindruck im Kopf einen charakteristischen Laut hervor. Die Tata-Theorie: Die Zunge mache die Handbewegungen der Gebärdensprache (etwa des Winkens) nach. Die Trarabumm-Theorie: Sprache habe mit rituellen Tänzen und Beschwörungen begonnen. Sie alle und viele mehr hatten denselben Fehler: Sie konnten ebensogut richtig wie falsch sein. Vielleicht gerade darum war die „Glottogenese“, die Sprachentstehung, das Lieblingskind der Spekulierer. Die Pariser Sprachgesellschaft erwehrte sich ihrer, indem sie 1866 in ihren Statuten die Annahme von Sprachentstehungstheorien (sowie von Vorschlägen für Weltsprachen) rundheraus verbot. Aber so sehr die glottogeneosche Spekulation unter Wissenschaftlern auch in Verruf geriet: die Menschen konnten es niemals, lassen.“ (So kommt der Mensch zur Sprache).

[3] Es gibt viele Belege dafür, dass Affen mit geschriebenen Wörtern gut umgehen können, weil das diskrete Zeichen sind, die sich per Dressur vereinbaren lassen. Nur können Affen solche Gegenstände nicht herstellen.

[4] Was Aristoteles beispielsweise über Sklaven geschrieben hat, zeigt mir, dass er nicht nur technologisch einen anderen Horiziont hatte als ich. Das hat aber mit dem Schreiben im Sinne der Textherstellung so wenig zu tun wie mit grammatikalisch und stilistisch korrekten Formulierungen.


last update: 17. 9.2017

Bedarf und Bedürfnis

[ <– Kategorie und TheorieInhaltSchreiben und Sprechen –>]

Hier geht es darum, dass S. Gray eine Stromleitung hergestellt hat, die zuvor niemand brauchte oder wollte. Und auch vor der Erfindung des Telefons gab es kein Bedürfnis mit jemandem zu sprechen, der nicht anwesend war. Die Erfindung des Telefons erfüllte keine Bedürfnisse, sondern schaffte welche. Eine schöne Geschichte beschreibt, dass das Telefon zunächst als Radio gedacht war, also zur Übertragung von Tönen, aber nicht für Gespräche. A. Bell versuchte seine Installationen dann reichen Geschäftsleuten als praktische Form eines Telegrafen zu verkaufen, bei welcher die Nachricht nicht mehr geschrieben werden musste. Der Geschichte nach interessierte das die Geschäftsleute wenig, weil sie die Telegraphennachrichten ja nicht selbst geschrieben, sondern diktierend immer schon gesprochen haben. Es waren dann die Frauen der Geschäftsleute, die mit dem modernen Telegrafenersatz das Chatten durchs Telefon entdeckten und so einen neuen Markt eröffneten. Alsbald hatten ganz viele Menschen den Wunsch ein Telefon zu haben, weil man damit mit nicht anwesenden Menschen sprechen kann.[1]

Wenn ich einen Gegenstand wie etwa ein Telefon herstelle, weiss ich natürlich, was ich herstelle, auch wenn ich noch nicht weiss, was daraus alles wird. Die kaum zählbaren Erfinder des Telefons stellten Geräte her, mit welchen irgendetwas, was sie kannten besser ging. Nachdem ein bestimmter Gegenstand wie etwa das Telefon hergestellt ist, kann er als Motiv für gegenständliches Herstellen erscheinen. Dann ist der Zweck des Gegenstandes bekannt, weil er mit dem Gegenstand zusammen entwickelt wurde. Wenn dann viele Menschen ein Telefon wollen, werden allenfalls viele Telefon hergestellt. Dann geht es auch darum, das Herstellen zu organisieren und zu optimieren, was sich in weiterer Technik zeigt. Umgangssprachlich kann man von einem Bedürfnis nach einem Telefon kommunikation_telefon_grosssprechen, da aber die Menschen lange ohne Telefon gelebt haben und sich ein Telefon auch nicht vorstellen konnten, ist dieses Bedürfnis hergestellt. Das Telefon und die dazugehörenden Tätigkeiten vermitteln dann zwischen neu geschaffenen Handlungsmöglichkeiten und dem, was Menschen tun. Menschen sprechen miteinander, seit es das Telefon gibt, auch wenn sie an ganz verschiedenen Orten sind. Ich kann jetzt das Bedürfnis haben, mit jemandem zu sprechen, der nicht hier ist, weil ich weiss, dass es das Telefon gibt.

Hier geht es mir darum, dass ich das Bedürfnisse voraussetzen oder als Folge begreifen kann. Im ersten Fall verwende ich das Bedürfnis als primäre Kategorie, im zweiten Fall bezeichne ich mit Bedürfnis, dass ich etwas Hergestelltes gerne hätte oder es auch herstellen können möchte. Das sind zwei ganz verschiedene Funktionen, die zwei sehr verschiedenen Theorien gehören, was ich noch etwas verdeutlichen will.

In der hier verfolgten Perspektive der Tätigkeit ist beispielsweise Hunger ein ambivalentes Bedürfnis. Zunächst ist Hunger eine Emotion, die fehlende Einsicht kompensiert, wonach ein Organismus Nahrung braucht. Einfache Organismen haben dieses Wissen nicht, sie haben stattdessen Hunger. Die Nahrung, die ein Organismus braucht, bezeichne ich als dessen Bedarf. Das Wissen um diesen Bedarf habe ich unabhängig davon, ob ich Hunger habe und insbesondere auch dann, wenn ich keinen Hunger habe. Menschen produzieren Nahrungsmittel, weil sie einsichtig produzieren, nicht weil sie Hunger haben. Hunger haben Menschen nur, wenn die Produktion, die die Konsumption umfasst, nicht funktioniert.[2] Die Produktion erzeugt das Bedürfnis, das zunächst teilweise mit dem Bedarf zusammenfallen mag, aber das Bedürfnis kennt seine Grenzen nur in der Produktion. Menschen produzieren viel mehr Nahrungsmittel als sie brauchen, sie produzieren grenzenlose Gelüste, die mit ihrem Bedarf gar nichts zu tun haben.[3]

Zur jeder Produktion, die sich bewährt, indem deren Produkt konsumiert wird, kann man ein vorausgehendes Bedürfnis unterstellen. Bedürfnisse fungieren dabei als Erklärungsprinzipien, also als letzte Gründe, die keiner Erklärung bedürfen.[4] Durch die Kategorie Tätigkeit würde ich in diesem Sinn – wenn man das so sehen will – das Bedürfnis postulieren, tätig zu sein. Die herstellende Tätigkeit beobachte ich aber jenseits von Bedarf und Bedürfnis. Ich brauche dafür kein Erklärungsprinzip, aber natürlich eine entsprechende Theorie.

Erklärungsprinzipien wie Schwerkraft, Instinkt oder Bedürfnis dienen nicht als Erklärungen, sie erklären nichts. Sie dienen dazu, Theoriearbeit abzuwehren. Erklärungsprinzipien naturalisieren Verhältnisse, die impliziten Theoriebruchstücken geschuldet sind. Bedürfnisse – um beim Beispiel zu bleiben – erscheinen so als Natur jenseits der Kategorien dessen, der Bedürfnisse beobachtet. Wenn ich Bedürfnisse dagegen als Kategorie bezeichne, mache ich mir mein Beobachten als solches bewusst. Wenn ich meine Kategorien bezeichne, erkenne ich, wie meine Erklärungen und damit verbunden die zu erklärenden Phänomene von meiner Theorie anhängig sind.

Wenn ich mein Beobachten gar nicht beobachte, verzichte ich nicht nur auf das Bezeichnen von Kategorien, sondern auch auf Erklärungsprinzipien. Ich mache Erfahrungen als letzte Gründe. Ich kann erkennen, dass Gegenstände ein Gewicht haben, ohne irgendeine Schwerkraft zu bemühen. Und ich kann erkennendass ich atmen muss, ohne ein Bedürfnis dazu zu postulieren. So kann ich auch sehen, dass Menschen Gegenstände herstellen, ohne mir Gedanken über die von mir verwendeten Kategorien zu machen.

Dass Menschen beispielsweise sprechen, wird sehr selten mit einem entsprechenden Bedürfnis im Tier-Mensch-Übergangsfeld begründet. Das Sprechen fungiert viel mehr – wie etwa das Denken oder das Bewusstsein – als Wesensmerkmal des Menschen, das keiner Entstehungsgeschichte bedarf.[5] Sicher hatten – evolutionstheoretisch gesehen – werdene Menschen kein Bedürfnis zu sprechen. Wer will schon sprechen, wenn er niemanden kennt, der ihn verstehen könnte, weil es noch keine Sprache gibt? Dem Schreiben – also einer herstellenden Tätigkeit – wird dagegen oft ein Bedürfnis zugerechnet, etwas über das Sprechen hinaus festzuhalten. Schreiben scheint dabei das Sprechenkönnen vorauszusetzen, ich kann in dieser Sicht schreiben, was ich auch sagen könnte. In solchen Vorstellungen schimmert das Haeckelsche Prinzip durch, wonach sich die Phylogenes analog der Ontogenese begreifen lasse. Kinder können sprechen bevor sie schreiben können.

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[1] Als S. Jobs seinen Mac auf den Markt brachte, wurde er gefragt, ob er davor eine Marktanalyse gemacht habe. Er soll zurückgefragt haben, ob wohl Alexander Bell etwa Marktforschung betrieben habe, bevor er das Telefon erfunden habe. Siehe dazu auch Eine kurze Geschichte der alltäglichen Dinge

[2] Menschen fangen an, sich von den Tieren zu unterscheiden, sobald sie anfangen, ihre Bedarfsmittel zu produzieren. „Hunger ist Hunger, aber Hunger, der sich durch gekochtes, mit Gabel und Messer gegessnes Fleisch befriedigt, ist ein andrer Hunger, als der rohes Fleisch mit Hilfe von Hand, Nagel und Zahn verschlingt. Nicht nur der Gegenstand der Konsumtion, sondern auch die Weise der Konsumtion wird daher durch die Produktion produziert, nicht nur objektiv, sondern auch subjektiv. Die Produktion schafft also den Konsumenten.“ (MEW23, S. 624)

[3] Hier geht es mir um Kategorien, nicht Bedarfszustände und Bedürfnisse. Da ich aber Hunger als Beispiel verwende, komme ich nicht umhin, auf zwei spezifische Verhältnisse hinzuweisen. Die Erfindung des Getreideanbaus führte zu einer Bevölkerungsexplosion, weil viel mehr Nahrung produziert wurde, als die Menschen, die davor von Jagen und Sammeln lebten, brauchen konnten. Hungersnöte sind die Kehrseite der Bevölkerungsexplosion, die mit dem sie verursachenden Getreideanbau nicht immer und überall kompensiert wird, weil Getreideanbau Landeigentum und Eigentümerklassen hervorgebracht hat. Getreide ist eine der übelsten Erfindungen für die Menschheit, die sehr direkt für Hungerkatastrophen bis zum heutigen Tag Ursache ist. Getreide ist überdies als Zucker auch eine sehr biologisch sehr schlechte Nahrung, was sich in Fettleibigkeit zeigt, überall, wo gerade keine Hungersnot herrscht.

[4] Man sagt gemeinhin, dass Aristoteles vier Arten von „Ursachen“ unterscheide. Aristoteles bezieht sich mit seinen „Ursachen“ (die erst in der lateinischen Uebersetzung zu Ursachen wurden) aber auf das Wissen über Sachverhalte, also darauf, wie wir auf warum-Fragen antworten, nicht auf die Sachverhalte selbst. E. von Glasersfeld übersetzt deshalb adäquater mit „Prinzipien“ (1997:115ff).

[5] D. Zimmer meint, rezente Affen könnten nicht sprechen, weil sie die nötigen Laute nicht modulieren können. Dass sie intelligent genug wären, schliesst er aus den Experimenten, die unter anderen D. Premack mit Schimpansen gemacht hat. Solche Argumentationen beruhen auf unbewussten Kategorien, die auf Affen projiziert werden. In meiner Theorie fehlt den Affen die Begriffsbildung, weil sie keine Gegenstände herstellen. Mit den Geräuschen, die sie machen, könnten sie zwar nicht so wie Menschen sprechen, aber sprechen könnten sie allemal.


last update: 11. 9.2017

Kategorie und Theorie

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Meine grundlegende Kategorie ist also das gegenständliche Herstellen. Als gegenständliches Herstellen bezeichne ich dabei jene Tätigkeiten, die Material formen und dabei einer technischen Entwicklung unterliegen, in welcher Werkzeuge durch Maschinen und Automaten ersetzt werden. In meinem Text über das Schreiben, mit welchem ich meine Theorie begründe, beobachte ich das Herstellen von Text. Beim Herstellen von Text forme ich verschiedene Materialien wie etwa Tinte oder Kreide mit verschieden entwickelten Werkzeugen wie Bleistift, Schreibmaschine oder Computer.

Indem ich das Herstellen als gegenständliche Tätigkeit an den Anfang stelle, stelle ich mich oder genauer mein Tun ins Zentrum. So wie kein Physiker erklären kann, weshalb ein Apfel vom Baum fällt, oder anders formuliert, weshalb sich Massen anziehen, kann ich – in meiner Theorie – nicht erklären, wieso Gegenstände hergestellt werden, weil ich darin den Grund für alles andere sehe. So wie die Naturwissenschaften eine gottgegebene Natur voraussetzen, setze ich das Herstellen von Gegenständen voraus. Was immer ich beobachte, beobachte ich als – wie auch immer abgeleiteten – Aspekt des Herstellens.[1]

Durch die Kategorie des Herstellens unterscheide ich Hergestelltes von nichthergestellter Natur.[2] Als Natur, zu welcher ich selbst auch gehöre, erscheint mir die materielle Voraussetzung meines Herstellens, die nur kybernetisch bestimmt, was ich herstelle, indem sie viele Gegenstände, die ich herstellen möchte, nicht zulässt oder verhindert.[3] Natur kann ich weder herstellen noch erklären. Ich kann verstehen, inwiefern sie mein Herstellen zulässt und was sie meinem Herstellen entgegensetzt. Natur erscheint mir als komplementärer Aspekt des Herstellens.

Ich beobachte das gegenständliche Herstellen nicht als Reaktion auf irgendwelche Ursachen, sondern als Ursache überhaupt. Als Ursache bezeichne ich in diesem Kontext nicht eine Differenz zur Wirkung, sondern die erste Sache meines Beobachtens, auf die ich alle meine Beobachtungen beziehe. Ich beobachte – wie früher schon erläutert – auch das Beobachten als gegenständliche Tätigkeit und mich selbst wie andere Menschen als Subjekte dieser Tätigkeit im engeren Sinne des Wortes. Als Subjekt bezeichne ich hier mein eigenes Unterstelltsein unter jene Kategorien, die ich mir durch meine Theorie bewusst mache.

Umgangssprachlich bezeichne ich Menschen als Subjekte der gesellschaftlichen Machtverhältnisse. In diesem Sinne bin ich Subjekt einer Verfassung, in welcher die herrschenden Verhältnisse, die als Gesetze beschrieben sind, mit Gewalt durchgesetzt werden. Virtuelles Subjekt der Verfassung bin ich, weil ich die gesellschaftlich anonymisierten Sichtweisen virtuell teilen muss, weil deren Verletzung mit Sanktionen verbunden sind. Dabei geht es nicht darum, dass gesetzwidriges Verhalten bestraft wird, sondern darum, dass ich durch die institutionalisierte Erziehung zur mindestens virtuellen Übernahme der Sichtweisen gezwungen werde. Als Schüler beispielsweise muss ich die vorgegeben Sichtweisen reproduzieren, um hinreichend gute Bewertungen zu erhalten.

Als Physik beispielsweise bekam ich in der Schule die Vorstellung, dass der Apfel vom Baum fällt oder anders formuliert, dass sich Massen anziehen. In dieser Vorstellung komme ich selbst nicht (oder nur als Masse) vor, obwohl ich es bin, der sich diese Sache vorstellen muss. Als Biologie bezeichne ich die Vorstellung, dass ich Hunger habe oder anders formuliert, dass ich stoffwechseln muss. In dieser Vorstellung komme ich zwar vor, aber nicht so, dass ich bezüglich der Vorstellung eine Zuständigkeit hätte. F. Freud schrieb, dass solche wissenschaftlich genannten Lehren den Verstand des Menschen dadurch kränken, dass sie ihm seine Bedeutungslosikeit vor Augen führen.[4] Mir aber führt solche Wissenschaft – wenn ich über meine eigene Theorie nachdenke – vor allem eine Perspektive vor, in welcher ich als Mensch – unmittelbar – auf eine gottgegebene Welt reagiere, wobei sogar mein Reagieren noch von gottgegebenen Genen abhängig sein soll.

A. Leontjew bezeichnet diese Perspektive mit seinem Unmittelbarkeitspostulat, nach welchem die Menschen wie Tiere unmittelbar auf Einwirkungen aus der Umwelt zu reagieren scheinen. Tätige Menschen dagegen reagieren auf Bedingungen ihrer Tätigkeit, was A. Leontjew als Vermittlung zwischen den menschlichen Motiven und der vermeintlich gegeben Umwelt bezeichnet.[5] Der Ausdruck Vermittlung ist ambivalent, weil damit nicht gemeint ist, dass Menschen – wie vermittelt auch immer – auf eine gottgegeben Natur reagieren, sondern dass sie sich selbst und ihre Umwelt durch ihre Tätigkeit vermittelt schaffen und entwickeln.

Ich erläutere diese Vermittlung anhand eines – in diesem Theorie-Projekt naheliegenden – Beispiels, nämlich anhand des Telefons. Dazu erläutere ich zunächst, was ich hier als Telefon bezeichne. Umgangssprachlich wird mit dem von P. Reis geprägten Ausdruck oft das Gerät bezeichnet, das die Benutzer beim Telefonieren unmittelbar vor Augen oder in der Hand haben. Hier ist aber die Technik insgesamt gemeint, die beim Telefonieren benutzt wird. Diese Technik wird heute gemeinhin als Internet bezeichnet und ist eigentlich die grösste Maschine der Welt. Der Ausdruck Telefon bezeichnet als Kunstwort die Fiktion, wonach „Töne“ in die Ferne übertragen werden. Übertragen wurden aber zunächst ausschliesslich elektrische, später auch elektromagnetische Signale, die vor Ort zur Steuerung von Schallwellen verwendet werden. Bereits vor der vermeintlichen Tonübertragung wurde das technische Netzwerk als Telegraf für die Übermittlung von „Text“ verwendet, wobei natürlich auch kein Text sondern Signale gesendet wurde. Telefon ist ein funktionaler Eigenname dafür, dass vermittelst dieser Technik mit einem nicht anwesenden Menschen in der Ferne gesprochen werden kann. Gesprochenes überwindet immer eine Distanz. Wenn ich mit anwesenenden Menschen spreche, gehen die Signale als Schallwellen vom Mund zum Ohr des jeweils anderen. „Tele“ kann in diesem Sinn als Hinweis auf Distanzen verstanden werden, die ich ohne technische Mittel sprechend nicht überwinden kann.

Als Technik hat das Telefon eine lange Geschichte, die wohl mit den Kommunikationsschkommunikationsschnurnüren von S. Gray ihren Anfang genommen hat. S. Gray hatte nasse Hanfschnüre als Stromleiter verwendet und dabei den Ausdruck Kommunikation in die Technik gebracht. Die Hanfschnur wurde in einem Klostergarten von Mönchen gehalten. Der letzte Mönch musste dann jeweils rufen, wenn ein Stromstoss bei ihm angekommen war. Es ging dabei wohl darum zu zeigen, dass Strom durch ein Kabel fliesst, nicht darum dem Mönch eine Nachricht zu schicken. Der Mönch schickte dann die Nachricht, dass der Strom bei ihm angekommen war durch Rufen, also nicht als elektrisches Signal. S. Gray hat eine Stromleitung hergestellt, die funktionierte. Diese Stromleitung wurde dann immer weiter entwickelt. Zusammen mit Mikrofon und Lautsprecher wurde die Leitung zum Telefon und zusammen mit Computern zum Internet.[6]

Hier interessiert mich die Leitung als hergestellte Übertragungsart. Es geht also nicht darum, dass die eigentliche Leitung, die zunächst eine nasse Schur und später ein Kupferdraht war, ein hergestellter Gegenstand ist, sondern darum, dass die Übertragung auf hergestellten Gegenständen beruht. Wenn anstelle einer Schnur, die elektrische Signale weiterleitet, der Funkäther elektromagnetische Signale transportiert, sind andere Sender und Empfänger im Spiel, aber es sind hergestellte Geräte. Wenn der Mönch dagegen ruft, dass das Signal bei ihm angekommen ist, ist kein Gerät im Spiel, obwohl ich seine Organe analog zu technischen Geräten begreife, wenn ich über deren Funktionsweise spreche.

weiter zu Bedarf und Bedürfnis


[1] In der Soziologie hat N. Luhmann die Kategorie Kommunikation vorgeschlagen. Er schreibt dazu: Es gibt Systeme. „Die folgende Ueberlegungen gehen davon aus, dass es Systeme gibt.“ (Soziale Systeme: 30). …und auch … „Die Aussage ‚es gibt Systeme‘ besagt also nur, daß es Forschungsgegenstände gibt, die Merkmale aufweisen, die es rechtfertigen, den Systembegriff anzuwenden; so wie umgekehrt dieser Begriff dazu dient, Sachverhalte herauszuabstrahieren, die unter diesem Gesichtspunkt miteinander und mit andersartigen Sachverhalten auf gleich/ungleich hin vergleichbar sind.“ (Soziale Systeme: 16).

[2] G. Bateson macht am Anfang seines Buches Geist und Natur den Vorschlag, sich anhand eines frisch gekochten Krebses zu überlegen, woran wir erkennen, ob ein Gegenstand ein Artefakt oder Natur sei. Er postuliert im Buch, dass wir Natur an einer Art Muster erkennen, welchem wir selbst unterliegen. Ich beobachte dagegen, dass ich Artefakte erkenne.

[3] Als Natur begreife ich mit einem Ausdruck von K. Marx meinen „unorganischen Leib“. Die Natur, die meinen Organismus umfasst, beobachte ich darin als Differenz, in welcher der Teil der Natur, der nicht zum Organismus gehört, als Material des Stoffwechsels zum Organismus gehört. Der Organismus fungiert so als Aspekt des natürlichen Stoffwechsels. Er beruht auf einer Autopoiese, in welcher er sich als organische Natur durch die Bildung einer Haut von seiner unorganischen Natur abgrenzt. (Marx-Lexikon)

[4] F. Freud, http://www.hyperkommunikation.ch/lexikon/kraenkungen.htmdrei Kränkungen

[5] A. Leontjew in seinem Buch Tätigkeit, Bewusstsein, Persönlichkeit

[6] Natürlich gehört neben einigen anderen Dingen immer auch die Stromproduktion zu dieser Maschine.


last update: 4. 9.2017