Mein Theorie Projekt ( Konzept): Verfahren

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Ich reflektiere die Kategorien, die ich beim Schreiben verwende, indem ich meine Texte unter diesem Gesichtspunkt beobachte. Da meine Theorie auch in Form eines Textes erscheint, muss sie in gewisser Weise auch sich selbst genügen. Natürlich beobachte ich nur Texte, die ich hinreichend ernsthaft geschrieben habe, also keine Einkaufszettel, Computerprogramme und dergleichen. Im Projekt beobachte insbesondere mein Schreiben über das Schreiben. Ich schreibe dazu – in einem eigenständigen Projekt – ein Buch über das Schreiben und ich schreibe hier – in diesem Projekt – eben über die dabei verwendete Sichtweise. Ich schreibe also meine Theorie, während ich an einem Text über das Schreiben schreibe, weil ich so fortlaufend beobachten kann, wie sich meine Theorie mit meinem Schreiben verträgt. Die Theorie soll nicht etwas vorab Geklärtes darstellen, sondern sich zusammen mit dem Text über das Schreiben entwickeln, so dass ich jeweils den Text oder die Theorie anpassen kann. Ich will zunächst nicht bereits von mir geschriebene Texte beobachten, weil ich dabei nur die Theorie anpassen könnte, oder aber die bereits vorhandenen Texte kritisch umschreiben müsste, was auch einem Neuschreiben gleichkommen würde. Ich schreibe einen neuen Text, weil ich so den Gegenstand des Textes auch theoretisch bewusster wählen kann. Aber schliesslich geht es darum, meine Theorie in allen meinen Texten zu erkennen, respektive darum, die Texte oder die Theorie entsprechend nachzuführen.

Ich mache mir dia logos, also durch eine Reflexion meiner Wortverwendung bewusst, was ich wie begreife. Im Dialog beobachte ich, was wie gesagt wird und was ich davon unter welchen Voraussetzungen auch sagen kann. Die Worte, die ich verwende, sind nicht von mir. Ich finde sie in meiner Sprachgemeinschaft, also im Sprechen mit andern. Ich wähle Worte, die mir passen und ich erkenne durch meine Worte, was ich mir wie vorstelle oder wie ich meine Vorstellungen zur Sprache bringe, wodurch sie für mich erst zu Vorstellungen werden. Im Dialog können alle Beteiligten auch untersuchen, wie sie selbst sprechen, also untersuchen, inwiefern welche Redeweisen für sie selbst passen. Im Dialog achte ich auf die Worte. Keine Wirklichkeit zwingt mich, bestimmte Worte zu wählen. Mit der Wahl meiner Worte zeige ich – vor allem mir selbst – welche Form(ulierung) ich für adäquat halte. Ich entfalte im Projekt eine Sichtweise, die ich als meine Theorie bezeichne, aber keineswegs die Vorstellung, dass jemand die Sache auch so sehen müsste. Ich suche im Dialog Nachahmung in Bezug auf das Entfalten von Sichtweisen, nicht in Bezug auf eine bestimmte oder meine je eigene Sichtweise. Jede Sichtweise erhöht auch meine Kontingenz.[1]

Ich fasse meine Texte als Resultate eines Sprachspiels auf, das bestimmte Wortfolgen zulässt und andere nicht. Die Grammatik bestimmt, welche Wörter und welche Wortfolgen innerhalb einer Sprache überhaupt zulässig sind. Aber ich kann natürlich nicht alles sagen, was grammatikalisch sagbar ist. Im Hinblick auf Wörter beobachte ich meine Wortverwendungen, indem ich mich primär auf Begriffe konzentriere. Darin sehe ich eine strategische Entscheidung, die ich im Konzept als Anweisung explizit mache. Als Begriffe bezeichne ich Wörter, die ich durch Definitionen ersetzen kann.

Ich schreibe meine Texte als Hypertexte und verlinke Begriffe mit meinemhypertext_text Hyperlexikon, in welchem ich meine Begriffe definiere. Auf diese Weise kontrolliere ich meine Begriffsverwendung. Wenn ich beispielsweise hier schreibe, wie ich den Ausdruck Begriff verwende, prüfe ich, ob das mit meinem Lexikoneintrag verträglich ist. Definitionen sind sehr einfache, klar strukturierte Formulierungen, auch wenn ich sie nicht immer einfach finden und nicht immer einfach umgesetzt finden kann. Definitionen kann ich aber in Hinblick auf Kategorien sehr gut beobachten, weil sie einerseits Unterscheidungen explizit machen und andrerseits auch zeigen, wo Oberbegriffe fehlen.

Ich zitiere auch an dieser Stelle des Konzeptes bereits meine Theorie, damit die grundlegende Idee des Konzeptes klarer wird. Definitionen sind Aussagen, die ihren Gegenstand nicht nur umschreiben, sondern bestimmen. Ich erläutere diese Differenz anhand eines Beispiels, mit welchem ich auch zeigen will, was ich als Kategorie bezeichne. Ich sage beispielsweise, dass Maschinen spezifische Werkzeuge sind, nämlich solche, die ich nicht von Hand antreiben muss. Das steht als Definition auch in meinem Begriffslexikon. Das Werkzeug erscheint dabei als Oberbegriff, den ich wiederum definieren müsste, wobei ich einen weiteren Oberbegriff einführen würde. Für „Werkzeug“ habe ich aber keinen Oberbegriff. „Werkzeug“ umschreibe oder erläutere ich mit einer Aussage, die ihren Sinn teilweise zirkuär durch die Definition von Maschine bekommt: Ein Werkzeug ist ein Artefakt, das als Mittel in einer Tätigkeit verwendet wird und konstruktiv in eine Maschine überführt werden kann. In solchen Aussagen bezeichne ich oft Kategorien. In diesem Beispiel bezeichne ich die Kategorie Tätigkeit.

weiter zu Begriffe, Erklärungen und Kategorien


[1] Das dialogische Prinzip habe ich im Buch Der Dialog im Dialog dargestellt.


last update: 4. 8.2017

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