Mein Theorie Projekt ( Meine Theorie): Tätigkeit als Kategorie

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Ich beobachte hier als meine Theorie, dass ich in meinem Text über das Schreiben das Schreiben als gegenständliche Tätigkeit beobachte. In einer bestimmten Hinsicht scheint sinnenklar, das Schreiben eine Tätigkeit ist, was denn sonst? Hier geht es aber darum, für meine Theorie zu beobachten, dass ich auf diese Weise über das Schreiben schreibe. Ich beobachte ein Motiv, das in meinem Text als gegenständliche Tätigkeit oder als Herstellen thematisiert ist. Das Schreiben würde nicht in dieser Art und Weise interessieren, wenn der Text Kapitalismus oder Menschenrecht behandeln würde. Schreiben wäre dann zumindest kein exemplarisches Thema. Die Wahl der Beobachtung des Schreibens ist von der gewählten Kategorie Tätigkeit abhängig.

Ich könnte mich natürlich auch für das Schreiben interesieren, wenn ich andere Kategorien verwenden würde, etwa Kategorien wie Autorenschaft oder Urheberrechte. Dann würde ich aber ganz anders über das Schreiben schreiben. Ich würde es wohl als Tätigkeit sehen, aber mir dazu keine Gedanken machen. Mich würde dann mehr interessieren, was geschrieben wird, als dass geschrieben wird. Mich würde dann auch nicht interessieren, dass beim Schreiben Material geformt wird, obwohl ich auch das nicht bestreiten würde. Theoretisch interessiert mich, wie ich weshalb worüber schreibe.

In meiner Theorie beobachte ich Kategorien. Aber natürlich sind auch das kontingente Beobachtungen, die sich im weiteren Text und anderen Texten bewähren müssen. Andere Leser könnten im gleichen Text andere Kategorien erkennen. Die Kategorie Tätigkeit erkenne ich im Text als fundamental, als grundlegende Entscheidung.

Natürlich kann man auch Tätigkeit sehr verschieden beobachten. Die gängige arbeitspsychologische Auffassung, nach welcher sich der Mensch beim Arbeiten im Sinne von „tätig sein“ entwickelt, sieht das Tätigsein als Reaktion auf die Umwelt oder auf die je eigenen Bedürfnisse. Obwohl solche Psychologie der Tätigkeit eine grosse Bedeutung zumisst, verwendet sie Bedürfnis als fundamentale Kategorie. In dieser Perspektive ist der Mensch tätig, weil er Hunger hat. In meiner Theorie leidet der Mensch nicht an Hunger, weil er jenseits davon tätig ist. Wenn ich trotz meinen Tätigkeiten nichts zu essen habe, habe ich natürlich Hunger. Aber damit bezeichne ich einen Widerstand gegen mein Tun, nicht ein Motiv für mein Tun. Hunger ist dann Ausdruck davon, dass ich etwas falsch oder nicht gemacht habe, so wie eine nicht funktionierende Maschine Ausdruck eines Konstruktionsfehlers ist.

In meinem Text über das Schreiben beobachte ich, dass die Tätigkeit des Schreibens als Herstellen, nicht als Arbeiten bestimmt wird. Arbeit ist eine sehr spezielle Kategorie, die in verschieden entwickelten gesellschaftlichen Verhältnissen auch sehr verschiedene Sichtweisen provoziert. In der kapitalistischen Gesellschaft ist meistens Lohnarbeit gemeint, in der sogenannt postkapitalistischen Gesellschaft dämmert, dass diese Art Arbeit langsam ausgehen könnte. Das Herstellen von Gegenständen ist nicht an toolmaking_animal7.pngArbeitsauffassungen gebunden, auch wenn es in unserer Gesellschaft fast immer so zugerechnet wird. Wo aber die Evolutionstheorie als fundamentale Kategorie verwendet wird, werden Menschen und Affen normalerweise nicht durch Arbeit, sondern durch Werkzeugherstellung unterschieden.[1] Wenn ich gegenständliche Tätigkeit als Kategorie verwende, macht die Frage nach dem Unterschied zu Tieren keinen Sinn. Auch darin zeigt sich die Relevanz der Wahl von Kategorien.

In meinem Text über das Schreiben beobachte ich, dass Schreiben einer technologischen Entwicklung unterliegt, die ich für jede gegenständliche Tätigkeit beobachte. Gegenständliche Tätigkeit wird dort implizit und hier theoretisch explizit genau dadurch, dass sie dieser Entwicklung unterliegt, bestimmt. Natürlich scheint auch diese Bestimmung sinnenklar. Jeder Gegenstand, den ich von Hand herstellen kann, kann ich mit einem passenden Werkzeug besser herstellen und jedes Werkzeug lässt sich – im Prinzip – durch einen Automaten ersetzen. Hier geht es aber wieder darum, dass ich beobachte, dass ich auf diese Weise über das Schreiben schreibe. Mich interessiert in diesem Text und mithin in dieser Perspektive nicht, was Kaligraphen als Kunst betreiben und nicht, ob das Schönschreiben die Psyche der Schulkinder fördert – und schon gar nicht, was von irgendwelchen Autoren geschrieben wird. Mich interessiert die gegenständliche Tätigkeit, die sich im Schreiben exemplarisch zeigt.

Text als hergestelltes Produkt dient mir insofern exemplarisch, als ich das Textherstellen wie keine andere Tätigkeit sonst auf den verschiedenen Stufen ihrer technologischen Entwicklung selbst ausübe und deshalb in einem spezifischen Sinn erkenne. Ich benutze auch heute noch Bleistifte zum Schreiben, aber ich stelle auch Texte im Internet her, die ich manchmal auch selbst sogar zu Büchern mache.

Das herstellen von Texten ist aber auch in einer anderen Hinsicht interessant, weil Texte – als Computerprogramme – eine entscheidende Rolle beim gegenständlichen Herstellen insgesamt spielen.

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[1] Mit der Kategorie Evolutionstheorie kann man sich natürlich fragen, was den Menschen von andern Lebewesen unterscheidet und dabei „Werkzeugherstellung“ als Kriterium wählen. Dieses Kriterium hat etwa K. Marx im Kapital von B. Franklin übernommen und dazu geschrieben, dass dieses Kriterium für einen Yankee typisch sei, während es den alten griechischen Sklavenhaltern kaum in den Sinn gekommen wäre. „Der Gebrauch und die Schöpfung von Arbeitsmitteln, obgleich im Keim schon gewissen Tierarten eigen, charakterisieren den spezifisch menschlichen Arbeitsprozess, und Franklin definiert daher den Menschen als „a toolmaking animal“, ein Werkzeuge fabrizierendes Tier“ (K. Marx, Das Kapital, 194).


last update: 23. 8.2017

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